Notizen von Lieutenant JG Lucille Javert
betr. den Urlaub auf Madras 6

Sternzeit 23820518.143
Im Shuttle nach Madras 6

Die Crew der Columbia ist tatsächlich in Urlaub. Die meisten Crewmitglieder sind bereits gestern abgereist auf ihre Heimatwelten oder nach Risa, nur einige wenige sitzen zusammen mit Lt. di Medici und mir im Shuttle, das uns auf den idyllischen Waldplaneten Madras 6, auch "New Horizon" genannt, bringen soll. So langsam sickert der Fakt durch, daß wir dieses Mal tatsächlich im Urlaub sind. Ich hatte den halben Flug damit gerechnet, daß uns ein eiliger Funkspruch zur Umkehr auffordern würde weil irgendeine dringende Mission keinen Aufschub duldet - aber nichts dergleichen ist geschehen.

Das Shuttle wird abwechselnd von den Crewmen Caveland und Rubinion geflogen, Chief Benz beschäftigt sich mit den Warkpernspezifikationen auf seinen PADDs und ist sichtlich unzufrieden darüber, daß wir ihn vom Umbau der Columbia weggeholt haben. PO McPherson findet sich besser mit der Situation ab und liest, genau wie Lieutenant diMedici. Crewman Dazzor unterhält sich sehr viel mit Crewman Caveland (egal ob sie fliegt oder nicht) und PO Cube informiert sich in der Datenbank über unseren Zielort.

Ich gebe zu, daß ich anfangs nicht glücklich über den erzwungenen Urlaub war (den ich ohne die medizinische Anordnung des Stationscounselors wohl nicht angetreten hätte), aber wir werden alle das beste aus der Zeit machen.
Lediglich der Gedanke an das Übernachten in einfachen Zelten und abendliche Lagerfeuer macht mich ein wenig nervös: Hoffentlich kommt niemand auf die Idee, terranische Lagerfeuerlieder anzustimmen.

Sternzeit 23820524.194
Madras 6, Urlaubsstimmung

Wir sind nun schon fast eine Woche auf diesem Planeten, Zeit für ein paar kleine Zwischennotizen. Chief Benz und Lieutenant di Medici hatten eine Wette laufen, wie lange ich es aushalten würde ohne wenigstens ein kleines Logfile zu verfassen... der Lieutenant hat gewonnen.

Madras 6 ist in der Tat ein sehr idyllischer Planet mit sehr viel Wald, Wiesen und Seenlandschaften auf diesem Kontinent. Der Planet wurde im Jahr 2262 von menschlichen Kolonisten bevölkert, die die Dichte und Technisierung terranischer Städte leid waren und zurück zur Natur ziehen wollten. Die Madrasianer sind bis zum heutigen Tag ein sehr bodenständiges Volk mit einer großen Liebe zur freien Natur und vergleichsweise wenig Technologie.
Die Bevölkerung des Planeten umfasst gerade einmal runde 10.000 Kolonisten. Die Hauptstadt, Horizon City, hat eine Bevölkerungsdichte von sage und schreibe 800 Madrasianern und beherbergt die Planetare Verwaltung, die Regierung, und den Horizon Ranger Service... quasi die Lokalen Sicherheitstruppen.
Madras 6 ist ein abgelegenes aber dennoch recht bekanntes Urlaubsgebiet mit meist ausgezeichnetem Wetter - und beiweitem nicht so überlaufen wie Risa, was ein echter Vorteil ist.

Der gemeinsame Urlaub mit der Crew gestaltet sich recht angenehm.
Crewman Rubinion schockt uns jeden Tag aufs Neue mit immer bunter gemusterten Hemden und Hosen in wilden Kombinationen. Er und PO Cube vertreiben sich viel Zeit mit Crewman Dazzor und Crewman Caveland bei einem terranischen Federballspiel. Ich habe noch nicht herausgefunden, ob es Sinn des Spiels ist, sich den Ball zuzuspielen oder möglichst so zu schlagen, daß der Gegenpart ihn nicht erreichen kann. Derzeit praktizieren die Spieler beides.

Chief Benz hat ein detailgetreues Modell der Columbia mitgebracht, verbringt aber auch viel Zeit mit Spaziergängen oder dem Kochen von traditionellen terranischen Gerichten auf dem Lagerfeuer. Bislang schmeckt alles tatsächlich ziemlich gut!
PO McPherson und Lieutenant diMedici lesen weiterhin sehr viel.
Ich gehe viel spazieren, treibe ein wenig Sport. Ich glaube, ich kann mich mit dem Gedanken abfinden, Prof. Dr. Raven dankbar zu sein, daß er auf diesen Urlaub bestanden hat. Ich merke, wie dringend notwendig er ist!


Sternzeit 23820528.155
Madras 6, Gespräche

Chief Benz wird zusehends kribbeliger. Ich glaube, er hat in den letzten Jahren nie soviel Zeit am Stück von seinen Maschinen getrennt verbracht
, und nun, da er die Umgebung gut kennt und alle alten Rezepte seiner Familie nachgekocht hat (soweit sie an Töpfen, Pfannen und Grillrosten über dem offenen Feuer umsetzbar waren), gehen ihm die Beschäftigungen aus. Er hat also gestern begonnen, mit PO McPherson möglichst unauffällige Gespräche über eine optimierung der Energieverteilungsnetze für die Waffensysteme zu diskutieren.

Ich hatte meinesteils endlich Zeit für ein paar ruhige Gespräche mit Lieutenant diMedici und PO McPherson... besonders letzteres war sehr ergiebig. Die PO war auf der Akademie offenbar zunächst in der Security tätig und hat einiges an sehr nützlicher Erfahrung. In Absprache mit Chief Benz werde ich sie in Zukunft bei Aussenmissionen als Unterstützung des Security-Personals hinzuziehen.

Sternzeit 23820602.114
Madras 6, der Traum

Heute Nacht hatte ich einen sehr seltsamen Traum: Ich sah eine schwarz-golden gekleidete junge Frau mit braunem Haar auf einer Waldlichtung stehen und sich sichtlich Hilfesuchend umsehen. Die Traumbilder an und für sich sind nicht seltsam, aber ich hatte das bestimmte Gefühl, daß dieser Traum fremdbestimmt war, also nicht aus meinem eigenen Unterbewußtsein stammt.
In der vagen Hoffnung, mich geirrt zu haben, sprach ich direkt nach dem Frühstück mit PO Cube darüber... und genau wie ich befürchtet habe, erzählte er mir, genau denselben Traum gehabt zu haben.

Wir beschlossen, den umliegenden Wald abzulaufen um zu sehen, ob wir die Lichtung aus unserem Traum wiederfinden würden, blieben aber erfolglos. Nun gut - es gibt sehr, sehr viel Wald ringsum... wir werden später nocheinmal losgehen. Das unbestimmte Gefühl, daß dieser Traum kein Zufall war, bleibt bestehen.

Wir haben zudem einen neuen Urlaubsgast in unserem Lager: Einen Lieutenant Navock, Halbvulkanier. Er ist anscheinend 2. Offizier der USS Texas, eines Patrouillenschiffes der Steamrunner-Klasse. Weshalb er sich völlig alleine ohne andere Mitglieder seiner Crew unserer Truppe anschließt weiß ich nicht - ich muß ihn später einmal fragen.

Sternzeit 23820602.141
Madras 6, die Wildhüterin

2 Wochen
idyllischer Ruhe und dann gleich mehrere Geschehnisse an einem Tag.
Eine Wildhüterin des Horizon Ranger Service kam vorhin in unser Camp und erzählte, es sei ein Wilderer in der Gegend unterwegs, der Jagd auf die sehr seltenen und unter Naturschutz stehenden Garocks macht.

Diese Raubtiere, die aussehen wie eine Mischung aus terranischem Panther und Wolf (Körper eines Panthers, Wolfskopf mit sehr kleinen Ohren, verfügen über ein sehr scharfes Gebiß und gefährliche Klauen) kommen offenbar nur auf diesem Kontinent vor und stehen seit 100 Jahren unter Naturschutz, da vorher ihre Population durch die Jagd stark zurückgegangen war. Für Urlauber stellen diese Raubtiere jedoch keinerlei Gefahr dar, da sie extrem scheu sind und den Geruch von Humanoiden auf weite Distanz erkennen und meiden. Entsprechend reizvoll (weil schwierig) ist wohl die illegale Jagd auf diese Tiere.

Nun jedenfalls scheint ein Wilderer gezielt Jagd auf die Köpfe der seltenen Garocks zu machen und die Wildhüterin ist zum einen unterwegs um die in der Gegend campenden Urlauber gleichermaßen zu überprüfen und zu warnen. Selbstverständlich bieten wir ihr unsere Unterstützung an, die sie jedoch vorerst ablehnt.

Sternzeit 23820602.145
Madras 6, Spionageversuch?

Es ist kaum zu fassen: Im Gepäck von Crewman Caveland wurde eine Tasche von der USS Maranello gefunden! Chief Benz ist außer sich, vermutet Spionage von Seitens des Technik-Abteilungsleiters der USS Maranello, mit dem unser guter Chief ja eine nicht unbeträchtliche Rivalität am Laufen hat.
Die nächste halbe Stunde nach dem Fund der Tasche verbrachte der Chief also damit, das gesamte Camp mit dem Tricorder nach weiteren Anzeichen für eine Spionage von Maranello-Seite zu durchkämmen... und wurde tatsächlich fündig! Er fand einen kleinen Aufzeichnungs-Chip in meinem Tricorder (wie auch immer der dort hineingekommen sein soll), der von der Signatur her ganz eindeutig der Maranello zuzuordnen ist. Seine einleuchtende Begründung: Ich hätte meine Nase und meinen Tricorder ohnehin immer an allen Orten von Interesse und somit würde ein Spionagechip in meinem Tricorder am meisten Sinn machen.

Der Chief beschloß, den Chip vorerst an Ort und Stelle zu lassen und ihn mit Technikirrelevanten Daten zu füllen. Ich ließ den Tricorder daraufhin mitlaufen, als Crewman Dazzor etwas später die Geschichte des Bekarianischen Volkes erzählte. Vielleicht gibt es ja interessierte Völkerkundler an Bord der Maranello... man kann nie wissen.

Sternzeit 23820602.161
Madras 6, Der Jäger wird gejagt

Als Crewman Rubinion zu einem Shuttlerundflug startete um seine Systeme durchzutesten (und höchstwahrscheinlich ein paar Loopings zu üben) beschloß Chief Benz, daß dies eine ausgezeichnete Gelegenheit sei, ihn über die Shuttle-Sensoren nach Garocks und dem Wilderer scannen zu lassen. Eine gute Idee, die in die Tat umgesetzt wurde, und tatsächlich wurde Rubinion bald fündig, nachdem wir aufgebrochen waren. Unser kleines Team bestand aus Chief Benz, PO McPherson, PO Cube, Crewman Dazzor und mir. Crewman Rubinion konnte ein Rudel Garocks ungefähr 3 km westlich von unserer Position scannen und eine weitere Person, wesentlich dichter bei uns, die sich uns näherte.

Wir beschlossen, in die Richtung zu gehen und begegneten bald darauf der besagten Person: Der Wildhüterin, die uns zuvor besucht hatte. Wir informierten die Frau über die Scanergebnisse und boten ihr an, ihr bei der Suche nach dem Wilderer zu helfen. Diesmal stimmte sie zu.

Mithilfe der Scans von Crewman Rubinion und den Analysen von Chief Benz gelang es tatsächlich, nach kurzer Wanderung den Wilderer zu finden, der sich mithilfe eines Störungskraftfeldes an die Garocks heranschleichen wollte. Die Wildhüterin forderte den Mann mehrfach auf, sich zu stellen und stehenzubleiben, doch er versuchte zu fliehen und eröffnete schließlich das Feuer auf die Wildhüterin. Die Frau wurde verletzt und der Rest des Teams ging in Deckung.

In der Deckung eines nahen Maisfeldes gelang es mir, dicht genug an den Wilderer heranzuschleichen um ihn mit dem Phaser zu betäuben. Es stellte sich heraus, daß er in seiner Weste einen sehr effektiven Störfeld-Emitter versteckt hatte, mit dem er wohl auch seinen Geruch überdeckte um sich an die Raubtiere heranschleichen zu können. Crewman Rubinion brachte die verletzte Frau und ihren Gefangenen schließlich mit dem Shuttle in die Hauptstadt von Madras 6. Die Wildhüterin bedankte sich zum Abschied sehr herzlich für die Hilfe.

Sternzeit 23820602.172
Madras 6, Der Datenkristall

Auf dem Rückweg zum Lager nahmen wir einen etwas anderen Weg und kamen an einer kleinen Lichtung vorbei, die PO Cube und ich sofort und gleichzeitig wiedererkannten: Es war die Lichtung, von der wir geträumt hatten!
Wir weihten die anderen Crewmitglieder in den Traum ein und beschlossen, gemeinsam nachzuforschen, was an dieser Lichtung Besonders war, denn wir waren uns einig, daß der Traum kein Zufall gewesen sein konnte.

PO Cube und ich versuchten es mit einer meditativen Fokussierung auf unsere empathischen Kräfte, Chief Benz und PO McPherson versuchten es mit ihren Tricordern. Beides hatte Erfolg! PO Cube und ich spürten eine Präsenz, die irgendwie entrückt und unerreichbar schien - wie eine Person, die in einem tiefen Koma liegt.
Die Techniker scannten zeitgleich schwache Energieschwankungen einer unbekannten Technologie. Gemeinsam gelang es, die Quelle zu orgen und im Waldboden vergraben fanden wir einen großen Kristall, einen Datenstab und eine kleine Energieeinheit. Die Technologie schien sehr, sehr alt zu sein und uns völlig unbekannt. Die Präsenz, die PO Cube und ich fühlten, schien irgendwie aus dem Kristall zu kommen.
Wir beschlossen, den Kristall für weitere Untersuchungen mit ins Lager zu nehmen.


Sternzeit 23820602.175
Madras 6, Destiny vom Volk der Lexarianer

Ich bin sicher, daß PO van Ameling mindestens seine Hosen essen wird, wenn er von diesem Fund erfährt! Es ist kaum zu fassen: Wir machen den Fund des Jahrhunderts und es ist kein einziger Wissenschaftler zugegen! Vermutlich wären sie wesentlich professioneller vorgegangen, aber ein Ergebnis haben wir auch so erzielt... und was für eines!
Die Untersuchung des Kristalls und der beiden anderen Teile durch Chief Benz ergab nicht viel mehr als im Wald, nämlich daß es sich um eine uralte, unbekannte Technologie nicht einschätzbarer Energiestärke handelt. Eine versuchte Gedankenverschmelzung von PO McPherson bestätigte immerhin die Erkenntnisse von PO Cube und mir: Daß sich eine Präsenz in dem Kristall befand und daß diese nicht feindselig oder bösartig war.

So beschlossen wir mit Erlaubnis von Lieutenant di Medici, es mit der ältesten archäologischen Tradition zu versuchen: Zusammensetzen und warten, was passiert. Das Ergebnis überraschte uns wohl alle: Nachdem wir alle drei Teile in der einzig logischen Möglichkeit zusammengefügt hatten, erfolgte ein gewaltiger Energieanstieg in der Anordnung, der schließlich in einer blitzhellen Entladung gipfelte. Als die Sterne und tanzenden Flecken vor unseren Augen verschwanden, sahen wir mit einemmal die Frau, von der PO Cube und ich geträumt hatten, wenige Meter von uns entfernt stehen. Sichtlich desorientiert, benommen und verwirrt. Wir sprachen sie vorsichtig an und bemerkten, daß sie verletzt war... wir boten ihr unsere Hilfe an und schafften es mit vorsichtigen Gesten, sie soweit zu bringen, daß sie uns helfen ließ und uns ihren Namen verriet: Destiny.

Was wir in der darauffolgenden halben Stunde nach und nach von Destiny erfuhren kam uns teilweise wie ein Traum oder ein schlechter Scherz vor. Ihre Geschichte war unglaublich - dennoch zweifelten wir sie nicht an.

Destiny war offensichtlich die letzte vom Volke der Lexarianer, das vor 200.000 Jahren diesen Planeten ihre Heimat genannt hatten. Die Lexarianer waren ein langlebiges, kunstliebendes und friedliches Volk gewesen, das über eine sehr hoch entwickelte Technologie verfügt hatte - sie ließen alle Arbeit auf ihrem Planeten von Maschinen verrichten während sie sich selbst nur den schönen Künsten zu widmen pflegten.
Eben genau wegen dieser hochentwickelten Technologie wurden die Lexarianer vor etwas über 200.000 Jahren vom Volk der Iconianer angegriffen und anscheinend schließlich vernichtet. Destiny berichtete von einer Allianz mehrerer Völker, die sich wohl gegen die Iconianer zusammengeschlossen hatten, aber wohl zu ihren Lebzeiten der mächtigen Rasse noch nichts entgegenzusetzen gehabt hatten.

Gegen Ende des Krieges, als die Lexarianer schon fast alles verloren hatten, wurde eine von Ihnen - eben Destiny - ausgewählt um in einen Kristall gebannt die Zeit und den Krieg zu überdauern. Der Zweck war es, die Nachwelt vor einer großen Bedrohung zu warnen, die von den Iconianern ausging: Einer iconianischen Waffe, die von diesen als die "Ultimative Errungenschaft des Friedens" bezeichnet wurde.
Spätestens an diesem Punkt glaubte auch der letzte der Crew an den grausamen Humor des Schicksals! Da überdauerte diese arme Frau 200.000 Jahre schlafend in einem Kristall den Untergang ihrer Rasse um die Nachwelt vor einer gefährlichen Waffe zu warnen, die wir vor etwas über einem Monat vernichtet und ein für alle Mal unschädlich gemacht haben.

Selbstverständlich erklärten wir ihr die ganze Situation: Wo sie sich befand, wann, was unseres Wissens nach mit den Iconianern geschehen war und auch was mit ihrer Waffe passiert war. Sie trug es bewundernswert gelassen, auch wenn sie nach wie vor benommen war und unter schlimmen Erinnerungslücken litt. Wir beschlossen, ihr Zeit zu geben, sich an alles zu erinnern.

Sternzeit 23820602.190
Madras 6, Destinys letzte Stunden

Destiny wird sterben.
Der Kristall, in dem sie 200.000 Jahre geschlafen hat, hat in dieser Zeit anscheinend eine Beschädigung erlitten, die nicht behoben werden kann, weil wir die Technologie nicht kennen. Der Schaden hat zur Folge, daß Destiny nicht nur Erinnerungslücken hat sondern beginnt, rapide zu altern und immer häufigere Schwäche- und Ohnmachtsanfälle erleidet.

Wir könnten ihr vielleicht helfen, wenn wir auf einem Schiff wären oder auf einer Station - aber hier, auf Madras, fernab jeder Sternenflottenbasis, bleibt uns nichts als zuzusehen und uns dabei fürchterlich klein und machtlos zu fühlen.
Destiny trägt ihr Schicksal mit erstaunlicher Stärke. Sie sagt, daß sie eigentlich ohnehin schon sehr lange tot sein sollte und daß sie sich auf dieser Welt, die eine ganz andere geworden ist, ohne ihr Volk und ihre Familie auf Dauer einsam und fehl am Platze fühlen würde. Sie äußerte den Wunsch, in den Stunden, die ihr noch bleiben, soviel wie möglich zu lernen über uns, unsere Völker, unsere Traditionen.
Selbstverständlich tun wir ihr den Gefallen, es ist das mindeste, was wir tun können, auch wenn uns dabei schwer ums Herz ist. So kocht Chief Benz einen großen Topf seines preisgekrönten Chilis während ich Destiny das Prinzip des traditionellen Kochens über Feuer erkläre (sie kennt nur Replikatoren). Wir spielen ihr Blues-Musik vor und erzählen ihr von der Föderation und unseren Heimatplaneten... sie saugt alles an Wissen in sich auf, das sie bekommen kann und stellt viele Fragen. Sie ist eine bewundernswerte Frau!

Noch hoffen wir, daß sie sich vielleicht noch an einige Fakten über die Iconianer erinnern wird, die uns helfen könnten, weitere gefährliche Technologie zu finden und unschädlich zu machen. Aber wir wollen sie nicht drängen... nicht auf der Schwelle des Todes!

Sternzeit 23820602.203
Madras 6, Der Tresor des Wissens

Destiny ist gestorben. Kurz vor ihrem Tod hat PO McPherson auf ihren Wunsch doch noch eine Gedankenverschmelzung mit ihr durchgeführt - um ihre Erinnerung vielleicht doch noch anzuregen um ihr in ihrem Geist Bilder des Sternenhimmels zu zeigen, den sie nie wieder sehen wird.
Kurz bevor sie gestorben ist, hatte sie tatsächlich ein paar letzte Erinnerungsfetzen: Sie erinnerte sich an die Begräbnisrituale ihres Volkes... und bat uns, diese für sie durchzuführen als das nächste an Familie, was sie nun noch hat. Daß sie uns in dieser kurzen Zeit liebgewonnen hat, ist für einige ein großer Trost.
Doch sie hat sich an noch etwas erinnert: Irgendwo auf diesem Planeten, der einmal Lexas hieß, ist ein Tresor des Wissens verborgen, der das gesammelte Wissen der Lexarianer enthält. Sie bat uns ihn zu suchen... ein Versprechen, das wir gerne halten werden.

Wir haben sie aufgebahrt, ihrer gedacht, jeder auf seine Weise. Es war eine stille, schöne Trauerfeier für eine starke, schöne Frau. Morgen werden wir von hier abgeholt und auf das Schiff zurückgebracht. Wir werden sie mitnehmen und ihrem Wunsch gemäß mit einem Torpedo in die Sonne dieses Planeten schießen.
Als eine letzte Ehrerbietung für Destiny vom Volk der Lexarianer.


Bericht Ende
gez.
Lt. Jg. Lucille Javert
2. Offizier & Chief of Security