Persönliches Logbuch Lt. Cmdr. Samantha Vasquez
Mission zur Rettung der USS Helios

 

 

SD 23840829.203

 

Persönliches Logbuch Lt. Cmdr. Samantha Vasquez

 

Man wird einen Bericht von mir verlangen also kann ich auch gleich einen anfertigen. Ob ich das will wird sowieso keiner fragen. Ist auch schon egal. Ich ertrage Stille nicht mehr aber noch weniger die Crew der Columbia. Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht, die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit aber es sind nicht die meinen. Ich sehe die gleichen Uniformen aber immer die falschen Gesichter. Sven...Ensign Heisenberg hat sich  unter die Techniker gemischt und versucht mittlerweile ohne Zweifel sich am Boden irgendeiner Flasche zu verstecken. Vermutlich sollte ich eingreifen. Higgs schläft eigentlich nur noch, vermutlich hat er den Arzt überredet ihn mit Sedativen vollzupumpen. Keine so schlechte Idee.
Es ist zu ruhig hier drin.
<Recording on hold>


<Resumed>
Klingonische Oper. Schlimmes Geschrei. Völkerverständigung hin oder her, wie man so was mögen kann ist mir schleierhaft. Aber immerhin schön laut. Wo fang ich an?
Vermutlich am Anfang.
Als Commander Sahen das Kommando über die Helios übernahm war ich nicht gerade begeistert. Alte Vorurteile sterben langsam. Ich sah keinen Grund warum Captain De’Long die Mission nicht führen konnte. Wir waren viele Einsätze geflogen, ich wusste wie er dachte, zusammen hatten wir das Schiff im Griff. Dennoch musste ich bald eingestehen, dass Sahen nicht nur fähig sondern auch die Eindeutig bessere Wahl für diesen Einsatz war.
Die Mission verlief problemlos, Crew und Schiff funktionierten einwandfrei. Anderes hatte ich auch nicht erwartet. Die Besatzung der Helios war immer diszipliniert gewesen und entsprach auch dieses Mal ihrem Ruf.
 
Wir brachten also die Bojen aus, die Tarnvorrichtung geleitete uns sicher wohin wir wollten und trotz des potentiell gefährlichen Auftrags war die Stimmung an Bord gut.
Es wäre ja auch nicht das erste Mal gewesen, dass die Helios an Orten sein musste an denen sie lieber nicht sein wollte.
Die Explosion traf uns aus dem nichts. Sahen war in einer anderen Abteilung ich hatte das Kommando. Ich ließ sofort auf roten Alarm gehen und im ersten Moment sah es so aus als würde nichts weiter passieren. Dann entdeckten wir die Subraumanomalie - so ziemlich das letzte was unsere Sensoren aufnahmen bevor die Energie drastisch abnahm.
Ich befahl einen Notsprung aber das erwies sich als fatal. Wir verloren augenblicklich alle Energie und trieben manövrierunfähig im Raum. Die Kommunikation fiel aus und wir hatten nur noch die Notbeleuchtung. Trotz der Umstände arbeitet die Brückencrew ruhig und effizient weiter- ein Umstand der mich mit Stolz erfüllt. Letztendlich war es dennoch umsonst. Aller Sensoren beraubt hatten wir keine Möglichkeit das weitere Geschehen zu verfolgen. Erst als wir das Kreischen der brechenden Hülle hörten wurde uns klar, dass wir geentert werden.


Es klang als würde die Helios vor Schmerz schreien – ich werde dieses Geräusch nie wieder vergessen.
Ich verteilte die Phaser aus dem Brückenarsenal und ließ die Tür verbarrikadieren aber unsere Gegner arbeiteten sich schnell vorwärts. Ohne Energie konnten wir keinen geeigneten Gegenmaßnahmen ergreifen und es wurde bald klar, dass wir vor der Wahl standen die Brücke aufzugeben oder uns für einen Haufen funktionsunfähiger Geräte abschlachten zu lassen. Unter anderen Umständen hätte ich den Computer angewiesen die Datenbänke zu zerstören und die Brücke zu versiegeln aber auch dazu fehlte uns die Energie. Nicht willens meine Leute für nichts sterben zu lassen ordnete ich die Crew an die Brücke durch die Wartungsschächte zu verlassen.
Für diese Entscheidung übernehme ich die volle Verantwortung.
Wir wurden zunächst nicht verfolgt und versuchten uns bis zum Hauptmaschinenraum durchzuschlagen in der Hoffnung von dort aus die Energie wiederherstellen zu können.
Ich verlor 5 Leute als wir versuchten durch einen Gang abzukürzen und aufgrund der Stille und Dunkelheit die dort herrschte dachten es sei niemand mehr dort. Zu spät bemerkten wir, dass zwischen unseren toten Kameraden sechs oder sieben der bewaffneten Kreaturen knieten die nur darauf warteten, dass wir aus dem Schacht krochen. Wie ich heute weiß können sie uns nicht gehört haben daher schließe ich, dass sie über irgendeine Art von Tricordern verfügten.


Ihr Angriff erfolgte mit einer Brutalität die ich so noch nicht erlebt habe. Sie verfügten über Energiewaffen, schienen es aber nicht darauf anzulegen sie überhaupt zum Einsatz zu bringen- ihnen war viel mehr daran gelegen mit Nahkampfwaffen auf ihre Opfer loszugehen und sie möglichst blutig zu beseitigen. Der direkte Kontakt schien ihnen zu gefallen fast als wären sie in einer Art Blutrausch.
Drei von uns schafften den Rückzug in die Schächte aber auch nur weil die Kreaturen sich so lange an den anderen fünf aufhielten. Halb gelähmt vor Schock arbeiteten wir uns weiter Richtung Maschinenraum vor. 440 Meter über 8 Decks ist eine sehr, sehr lange Strecke.
Ich versuchte einen Weg zu wählen der uns möglichst durch das Schiffsinnere führte da ich annahm wir würden dort sicherer sein. Unterwegs trafen wir auf einige Crewmitglieder die ähnliche Ideen gehabt hatten. Ihre Berichte waren niederschmetternd. Überall auf dem Schiff waren Kämpfe ausgebrochen und die Crew setzte sich tapfer aber letztendlich chancenlos zu Wehr. Die wenigsten von uns verfügten über eine Nahkampfausbildung. Im Raumkampf waren wir ungeschlagen, die Helios in unseren Händen eine tödliche Waffe, aber das hier war etwas völlig anderes. Niemand wusste etwas über den verbleib von Commander Sahen.

Mein Kommunikationsoffizier starb als er gegen meine direkte Anordnung aus einem Schacht kroch um zu versuchen mit einer der Kreaturen zu reden. Sie schlug seinen Kopf so lange gegen die Wand bis sein Schädel barst. Es waren zu viele, es gab nichts was wir hätten tun können um ihm zu helfen.
Irgendwo auf Höhe der Messe trafen wir auf einen Trupp aus dem Hauptmaschinenraum der sich seinerseits zur Brücke durchschlagen wollte. Der Maschinenraum selbst war längst von den Kreaturen überrannt worden. Unserer Ziele beraubt und mit 27 Mann mittlerweile zu viele um sich effektiv fortzubewegen teilte ich die Gruppe.

Den Berichten der Überlebenden zu Folge musste ich annehmen, dass das Schiff bereits komplett in Feindeshand war. Die Protokolle der Sternenflotte für diesen Fall sind eindeutig. Um die Selbstzerstörungssequenz einzuleiten fehlte mir sowohl Sahen’s Kommandocode als auch die nötige Energie. Daher blieb als einzige Option einen der Warpkerne zur Detonation zu bringen.
Ich überließ eine Gruppe von 17 Mann der Führung von Ensign Meyers, mit der Anweisung sich bis zum Shuttlehangar durchzuschlagen und die Shuttle startklar zu machen. Der Rest sollte unter meinem Kommando zunächst bis ins Waffenarsenal vordringen um dort Sprengladungen oder zumindest überladbare Energiewaffen einzusammeln. Anschließend wollte ich bis zum oberen Warpkern vordringen und selbigen verminen. Die Shuttlecrew bekam Anweisung sich nach 90 Minuten abzusetzen, notfalls unter Zerstörung der Hangartüren, uns aber ein funktionsfähiges Shuttle zurück zu lassen. Geplant war, alle überlebenden Crewmitglieder, die wir unterwegs treffen würden,  ebenfalls Richtung Shuttlehangar zu schicken.
Soweit ich weiß hat es niemand auch nur in die Nähe der Shuttles geschafft.
Der Rest von uns Drang bis zur Waffenkammer vor.

Einer meiner Security Leute starb auf dem Weg dorthin als er eine der Kreaturen überraschte die gerade dabei war in einen Wartungsschacht zu klettern. Sie war tot bevor sie begriff was sie traf desintegrierte aber sofort und nahm die Hälfte seines Oberkörpers mit. Ich würde alles dafür geben wenn ich seinen Namen wüsste aber ich kann mich nicht einmal richtig an sein Gesicht erinnern.
Wir waren nicht die ersten in der Waffenkammer. Was vom wachhabenden Offizier noch übrig war hing an ein paar Kabeln von der Decke. Brennspuren an den Wänden machten deutlich, dass sie noch versucht haben musste sich zu verteidigen.
Ungefähr 8 der Kreaturen hatten sich im Raum verschanzt und waren damit beschäftigt die hängende PO SIlversteen –zumindest ihren Name kenne ich- mit einer entmantelten Leitung zu quälen. Dabei sahen sie immer wieder erwartungsvoll in Richtung Tür, so dass schnell klar wurde, dass sie versuchten uns auf diese Art und Weise anzulocken.

Die Aufmerksamkeit der Kreaturen war auf Silversteen und die Tür gerichtet, aber es passt immer nur eine Person gleichzeitig durch die Öffnung des Wartungsschachtes und es gab keine Möglichkeit die Klappe so leise zu öffnen, dass es in einem engen Raum acht Leute nicht mitkriegen.
Es sei denn, es handelt sich um Aliens die keinerlei Gehör haben.
Aber das wussten wir nicht.
Wir hätten sie retten können, aber wir...ich...wusste es nicht.
Stattdessen ließen wir einen Phaser überladen, öffneten die Klappe gerade weit genug damit ich ihn hindurch werfen konnte.
Die Explosion tötet vier der Kreaturen und PO Silversteen sofort, den teilweise verletzten und für den Moment geschockten Rest erledigten wir als wir in den Raum vordrangen.
Wir hatten kaum Zeit die Waffenschränke zu öffnen als wir bereits wieder angegriffen wurden. Zu dem Zeitpunkt war ich einfach nur verwirrt wie die Kreaturen so schnell zur Stelle sein konnten, heute weiß ich, dass sie über telepathische Verbindung genau mitbekommen hatten was sich in der Waffenkammer abgespielt hatte.
Ich verlor sieben Mann für 3 Phaser.
Heisenberg, Higgins und ich waren alles was noch übrig war. Schwer angeschlagen zogen wir uns ins Innere des Schiffs zurück.
Die Kreaturen schienen kein Interesse daran zu haben uns zu verfolgen. Vermutlich waren wir es einfach nicht wert.
Wir hatten nur noch die Hoffnung es irgendwie zum tertiären Warpkern zu schaffen.
Higgs schlug vor Erste-Hilfe Sets aus der Krankenstation zu holen und da wir uns sowieso in der Nähe befanden und es sich bereits abzuzeichnen begann, dass wir nicht mehr allzu lange durchhalten würden, befürwortet ich den Vorschlag.
Als er von einer Strecke, die ihn nicht länger als 20 Minuten hätte kosten dürfen nach 60 nicht wieder da war begannen wir den Aufstieg zum Warpkern.
Da die Umweltkontrollen nicht mehr arbeiteten war es in den Schächten mittlerweile kalt genug um den eigenen Atem sehen zu können. Natürlich hat man davon gehört wie schnell so ein Schiff auskühlen kann und bedenkt man die Außentemperatur ist es auch nicht weiter verwunderlich und dennoch ist es etwas völlig anderes wenn man es dann erlebt.

Wir brauchten Stunden um ans Ziel zu kommen und auch wenn meine Kondition sicherlich zu wünschen übrig lässt, wage ich zu bezweifeln ob jemand anders wesentlich schneller voran gekommen wäre. Zu oft mussten wir anhalten um uns irgendwie aufzuwärmen- Handschuhe hatten wir  nicht und die Leitern in den Schächten frohren als erstes ein.
Wir sprachen über alles nur nicht über das was vor uns lag oder darüber, dass wir es niemals lebend bis zum Shuttelhangar schaffen würden. Es mag komisch klingen, aber wissentlich dem eigenen Tod entgegen zu klettern hat etwas unglaublich beruhigendes. Das eigene Leben hat plötzlich nur noch diesen einen Sinn, erfüllt man den, hat man seine Schuldigkeit getan. Existenzielle Fragen sind mit einem Schlag gelöst.
Es gibt kein ‚danach’ mehr, keine Sorge wie es weiter gehen soll. In dieser Erkenntnis liegt ein Frieden den ich so niemals erwatet hätte.
In gewisser Weise fühle ich mich darum betrogen.
Als wir den Kontrollraum schließlich erreichten erlebten wir das erste Glück seit dem Erstkontakt. Die Kreaturen schienen keinerlei Interesse daran zu haben. Wir verbarrikadierten die Tür und Sven begann damit die Notstromversorgung der Warpkernabschirmung abzuschalten.  Bald war klar, dass ihm das so einfach nicht gelingen würde.  Nur dieses eine Mal wünschte ich mir, die Sicherheitsprotokolle an Bord eines Sternenschiffes würden nicht so gut funktionieren. Die Helios setzte sich mit allem was sie hatte gegen ihre Zerstörung zu wehr.

Ich gestehe ich weiß nicht genau was er alles versuchte. Ich benutze funktionierende Technik  - aber WIE sie funktioniert ist mir größtenteils schleierhaft. Er sprach von Subroutinen die er umprogrammierte und Energieströmen die er versuchte umzuleiten- alles was ich wusste war, dass es immer kälter wurde und er sehr lange brauchte während ich nichts anderes tun konnte außer nervös immer wieder an der Tür zu lauschen. Ich ertappte mich dabei zu beten- um die sichere Flucht der restlichen Crew, um das Versagen der Abschirmung, um Wärme. Ich hatte nie an irgendwelche Götter geglaubt aber in diesem Moment war ich bereit an sie alle zu glauben so lange nur einer zuhören würde.
Wir wussten, dass unsere Zeit abgelaufen war als wir draußen auf dem Gang Tumult hörten. Bereit unsere Haut so teuer wie möglich zu verkaufen warteten wir.
Als es laut an die Tür klopfte erwog ich mit den Gedanken bei dem was man PO Silversteen angetan hatte kurz uns beide zu erschießen.
Zumindest diese Entscheidung musste ich nicht mehr treffen. Ich kann die Erleichterung nicht beschreiben die ich fühlte als eines der Crewmitglieder der Columbia nach uns rief.

Ich war wie gelähmt, schaffte es kaum meinen Namen und meinen Rang zu stammeln und klammerte mich immer noch an meinen Phaser als PO Connor vorsichtig die Tür öffnete. Was danach geschah kann ich nicht mehr genau sagen, die Erinnerung ist sehr verschwommen. Ich weiß noch um Kaffee gebeten zu haben und wie Sven sich wegen irgendetwas mit einem Columbia-Techniker stritt. Irgendjemand wollte einen Statusbericht und ich gab ihn während ich nur noch irgendwo ins Warme wollte. Gemessen daran wie meine Laune normalerweise ist wenn ich einen miesen Tag hatte war ich vermutlich nicht gerade besonders freundlich. Sollte irgendjemand der Ansicht sein ich schulde ihm noch eine Entschuldigung –tut mir leid. Würde und Disziplin haben nicht die Angewohnheit im umgekehrten Verhältnis zur Raumtemperatur und Erschöpfungszustand zu stehen.   
Ich erinnere mich daran auf irgendeiner Krankenstation gelandet zu sein und an eine Statusbesprechung in der jemand – ich meine es war Commader Gallagahr- den Kriegszustand mit den Kreaturen erklärte. Das alles ist sehr Bruchstückhaft. Irgendjemand sagte mir, dass Sven und ich die letzten Überlebenden der gesamten Besatzung der Helios waren und weiß ich nickte obwohl ich nur noch schreien wollte. In welcher Reihenfolge all das passierte kann ich nicht mehr sagen.

Meine erste wirkliche Erinnerung ist das Erwachen in einem Quartier das nicht meines war. Als mir klar wurde wo ich war und warum wollte ich es nicht mehr verlassen, aber  da ich keinen Replikator fand und ich wirklich dringend Nahrung brauchte blieb mir keine Wahl.  Die Crew der Columbia war ausgesprochen entgegenkommend. Niemand starrte mich an oder stellte dumme Fragen –man ließ mich in Ruhe und dafür war ich dankbar. Es wird wohl insgesamt gesehen nicht meine beste Vorstellung als Offizier gewesen sein.
Gemessen daran wie schwach ausgeprägt die Rangordnung auf der Columbia zu sein schien wird das aber vermutlich niemand aufgefallen sein. Dazu komme ich später noch.    Größtenteils ignoriert zu werden hatte allerdings den Nachteil Informationen nur sehr sporadisch mitzubekommen. So erfuhr ich aus einer Randbemerkung, dass es acht vermisste gab-inkluisve Commander Sahen. Vermutlich hätte ich mich darüber freuen sollen aber ich war distanziert von allen Gefühlen die über Hunger hinaus gingen.
Sven war zusammen mit ein paar Technikern zurück auf die Helios gebeamt um sie wieder flott zu bekommen. Da ich keine Mannschaft mehr zu befehligen hatte blieb mir nichts anderes übrig als mich irgendwie Zwangs zu beschäftigen.

Ich bat Gallaghar mir irgendeine Aufgabe zuzuteilen und er deutete an mir das Kommando über die Helios zurück zu geben sobald der Schiffsarzt mich diensttauglich geschrieben hatte. Die Vorstellung versetzte mich ausreichend in Panik um dem Arzt bei dem folgenden Gespräch klar zu machen, dass das keine gute Idee war. Ich hatte für’s erste genug Entscheidungen getroffen. Hätte es keine Alternative gegeben hätte ich den Posten natürlich bezogen aber dieser Kelch ging an mir vorüber.
Dennoch brauchte ich eine Ablenkung bis es Zeit war auf die Helios zurück zu kehren.
Die Befragung der von der Columbia gefangen genommenen Kreatur kam mir da nur recht. Zusammen mit einer Botschafterin der Elirion beobachtete ich die Vorgänge auf der Brigg.
Die drei Telepathen der Columbia vereinigten ihre Gedanken um dann gemeinsam in den Geist der Kreatur einzudringen. Der Vorgang dauerte etwa 10 Minuten dann brach Lt.Cmdr. Javert zusammen und die Sicherheitsleute betäubten die Kreatur.
Als sie wieder zu sich kam berichteten die drei davon wie fremdartig der Geist der Kreatur war und dass sie grundsätzlich alle anderen Lebewesen als minderwertig ansahen.
Einer der Sicherheitsleute der Columbia, PO Wynter, schlug vor so viel taktische Daten zur Bekämpfung der Kreaturen wie möglich zu sammeln, was angesichts der Tatsache, dass Gallaghar uns offiziell in den Kriegszustand mit ihnen versetzt hatte absolut logisch und notwendig war. Zu diesem Zweck schlug er vor einen Lichtblitz in der Brigg zu erzeugen um so herauszufinden ob die Kreaturen gegenüber hoher Lichtintensität besonders empfindlich seien.
Lt. Cmdr. Javert untersagte ihm dies, da es aus ethischen Gründen nicht vertretbar sei.
Ich glaube ich stand einen Moment nur da und starrte sie ungläubig an.
Die selbe Frau, die Minuten zuvor zusammen mit zwei weiteren Personen ihre telepathischen Fähigkeiten dazu genutzt hatte mit brutaler Gewalt und ohne zu zögern in den Geist eines anderen Wesens einzudringen verbot einen einfachen Test mit einem Lichtblitz.
Mitten auf der Brigg brach einen Diskussion über ethisch-moralische Grenzen bei der Befragung von Kriegsgefangenen aus- zwischen Offizieren und Crewmen.
Die Situation war an Absurdität nicht mehr zu übertreffen.
Damit man mich nicht falsch versteht- ich hielt und halte diese Maßnahme für absolut notwendig. Wäre es an mir gewesen einen entsprechenden Befehl zu geben ich hätte nicht eine Sekunde gezögert.
Aber dass dann ernsthaft versucht wurde das ganze als „Erstkontaktversuch“ abzutun der nun mal nicht anders möglich gewesen sei, ist wohl der größte Selbstbetrug den ich je erlebt habe. Ich kenne keine telepathisch begabte Rasse bei der ein erzwungener geistiger Kontakt nicht auf einer Stufe mit einer physikalischen Vergewaltigung steht.
Und wir reden hier nicht von dem vorsichtigen Versuch eines einzelnen mit einem anderen in geistigen Kontakt zu reden. Wir reden hier von DREI Telepathen die gemeinsam ohne Rücksicht auf Verluste durch die mentalen Barrieren eines vernunftbegabten Wesens brachen um an Informationen zu kommen.
Und trotzdem wurde der Hinweis, dass man sich hier einer Argumentationslinie bediente die ein Paradebeispiel für Machiavellis’ Theorie war einfach als nicht korrekt abgetan.
Nun, wenn es das ist was diese drei benötigen um nach dem Aufstehen in den Spiegel blicken zu können- mein Problem ist es nicht.
An dieser Stelle möchte ich PO Wynter lobend erwähnen, der sich in einem Akt beispielloser Loyalität den Vorstellungen und Anordnungen seiner XO unterwarf obwohl eindeutig war, wie wenig er mit ihr konform ging. Jemand anders hätte vermutlich Beschwerde eingelegt und um seine Versetzung gebeten.
Sollte er das jemals tun würde ich mich glücklich schätzen ihn unter meinen Leuten zu wissen.
Es ist fast schon tragisch, dass Lt. Cmdr. Javert überhaupt nicht zu wissen scheint wie viel Glück sie mit einem solchen Crewman im Besonderen und einer solchen Crew im  Allgemeinen hat.
Bei einem Gespräch mit ihr bei dem auch Lt. McPherson anwesend war, sprach sie davon wie sehr es sie schmerzte, dass ihre Mannschaft sich über der Frage wie man mit der Situation umgehen sollte zerstritt, dass man nicht- so ihre Worte- an einem Strang zog.
Ich versuchte ihr klar zu machen wie sehr sie die Situation verkannte, aber ich fürchte ich war dabei nur mäßig erfolgreich. Es bleibt mir nur zu hoffen, dass sie eines Tages erkennt welche Gnade ihr mit einer Mannschaft zu teil wird, die ihr selbst dann noch bedingungslos folgt wenn sie nicht mit ihr einer Meinung ist.
Ganz davon abgesehen, was für ein Luxusanspruch es überhaupt ist mit der gesamten Mannschaft immer in voller Einigkeit sein zu wollen.
Vielleicht liegt dies aber auch an der Größe der Columbia. Wenn man nur knapp 30 Crewmitglieder hat neigt man wohl leichter dazu es allen recht machen zu wollen- oder erwartet von allen Zustimmung.
Bei einer Crew von der Größe der Mannschaft der Helios wäre so etwas völlig undenkbar. Ich möchte nicht darüber urteilen welches Modell das bessere ist- ich denke nur bei einem so kleinen Schiff wie der Columbia muss man vorsichtig sein, dass man nicht in die Versuchung gerät einen Basisdemokratie auf dem Schiff ausbrechen zu lassen.

Letztendlich suchte ich ein kurzes Privatgespräch abseits von Rang und Protokoll mit PO Wynter. Normalerweise würde ich mich in so etwas nicht einmischen, aber ich brauchte diese Crew um die Überreste meiner zu finden. Davon abgesehen hatte ich den Wunsch Wynter wissen zu lassen, dass seine Meinung weder abwegig war noch er damit alleine dastand.  Er brauchte eine ganze Weile bis er verstand was ich ihm sagen wollte und ging zunächst davon aus ich würde seine Loyalität anzweifelte. Ich konnte den Groschen fast fallen hören als er begriff was ich von ihm verlangte, aber er schien damit direkt konform zu gehen als ich ihn bat Javert das Gefühl zu geben er würde ihrer Meinung zustimmen auch wen es nicht so war um das gelingen der Mission zu sichern.
Letztendlich kam es zu einer weiteren Befragung des Alien die wohl positiver verlief. Zumindest erlangten die drei Telepathen neue Einblicke in die Lebensweise dieser Kreaturen und man glaubte sogar sich mit diesem einzelnen soweit verständigt zu haben, als dass zu mindest in ferner Zukunft über eine friedliche Lösung nachgedacht werden konnte. Ich gestehe es war mir egal. Was nicht als taktische Daten verwertet werden konnte interessierte mich nicht, ich hatte noch eine Rechnung mit diesen Kreaturen offen. Genaueres wird sich sicher in den Berichten der Columbia finden.

Letztendlich kehrte ich zusammen mit Heisenberg, Lt. Cmdr. Javert, dem romulanischen Verbindungsoffizier und PO O’Conner auf die Helios zurück um sie an der Seite der Columbia weiter in das Gebiet der Kreaturen zu bringen, damit die letzten Bojen in Position gebracht und mit ihrer Hilfe dann unsere Crewmitglieder gefunden werden konnten.

Es war immer noch kalt auf der Helios. Die Techniker hatten ganze Arbeit geleistet, aber der Geruch nach Blut hing nach wie vor in der Luft und die nur notdürftig entfernten Kampfspuren sorgten nur mehr dafür, dass man das Gefühl hatte auf ein verlassenes Schlachtfeld zurück zu kehren. Wenigstens hatten sie die Leichen weggeräumt.
Während wir die Bojen ausbrachten vertrieben wir uns die Zeit mit diversen taktischen Übungsmanövern. Ich war immer Stolz auf die Leistungsfähigkeit der Helios und ich gestehe wohl ziemlich mit ihr angegeben zu haben. Nach der Niederlage gegen die
Kreaturen war es mir einfach wichtig den Ruf des Schiffes irgendwie wieder herzustellen. Heisenberg lief am Rande eines Nervenzusammenbruchs entlang aber wir fanden einen Weg ihn zu beschäftigen.
Irgendwann ließ O’Conner einen Flachmann kreisen und womöglich hätte ich eingreifen sollen, aber da Javert keine Einwände zu haben schien- mir war es nur recht.
Nach einer Weile entschieden wir die Lebenserhaltung auf den ungenutzten Decks abzuschalten, sowohl um Energie zu sparen als auch im sicher zu gehen, dass sich definitiv keine der Kreaturen mehr irgendwo versteckt hielt.
Dass von unseren Leuten niemand mehr irgendwo sein konnte war klar, dennoch erfolgte ein schiffsweiter Ruf meinerseits damit wir nicht versehentlich jemand einfrohren. Es fühlte sich an wie allein in der Dunkelheit zu stehen und zu rufen ohne zu wissen ob man wirklich eine Antwort bekommen wollte oder nicht.
Ein paar Minuten später bekam ich eine ...und wie ich sie hören wollte.
Erschöpft aber ansonsten weitestgehend unverletzt stürmte Lt. Higgins auf die Brücke. Er hatte sich in den Wartungsröhren versteckt und nicht realisiert, dass die Geräusche die er in den letzten Stunden gehört hatte von unseren Leuten stammten.

Ich konnte meine Gefühle in dem Moment weder ordnen noch auseinanderhalten. Sein Überleben war ohne Zweifel die erste gute Nachricht seit 3 Tagen und so sehr ich mich freute ihn wieder zu sehen führte mir sein Auftauchen doch erneut vor Augen wie viele wir verloren hatten. Wir schickten ihn zurück auf die Columbia damit sich dort um ihn gekümmert werden konnte.
Letztendlich schafften wir es die Bojen auszubringen und das Sensorgitter in Betrieb zu nehmen. Auch wenn ich nicht daran geglaubt hatte war es und möglich eine Raumbasis der Kreaturen zu orten.  Obwohl sie von 4 Schiffen der Kreaturen bewacht wurde war und klar, dass diese Station unsere beste Chance war unsere Leute und die Tarnvorrichtung zu finden.
Unsere beste Option war ein direkter Angriff und auch wenn mir von Anfang an klar war, dass die Helios den Löwenanteil des Schadens einstecken müssen würde um die Columbia zu schützen zögerte ich nicht einen Moment dem Angriffsplan zuzustimmen.

Rache mag etwas für Klingonen sein uns sollte die Entscheidungen eines Starfleetoffiziers nicht beeinflussen, aber die Chance endlich etwas tun zu können und nicht mehr das Gefühl zu haben das Andenken an die Toten durch Untätigkeit zu beschmutzen...für diesen einen Augenblick wusste ich wieder wer ich war ..für diesen einen Augenblick verschwand das bittere Gefühl versagt und die eigenen Leute im Stich gelassen zu haben. Die Helios musste Treffer um Treffer hinnehmen, aber für jeden den wir einsteckten teilten wir zwei aus. Dafür war sie gebaut worden, dafür hatten wir trainiert und gelebt. Das war es was wir waren...was wir...gewesen waren.
Als der Staub der Schlacht sich legte, waren alle gegnerischen Schiffe zerstört und auch die Raumstation hatte uns nichts mehr entgegen zu setzen. Die Helios hatte alles gegeben und hing nun manövrierunfähig im Raum, an Reparatur war nicht zu denken.
Und dennoch- es war gut so wie es war. Es fühlte sich ...richtig an.
Zwei Enterkommandos betraten die Station und ich war froh, dass niemand versuchte mich daran zu hindern mitzugehen.
Wir arbeiteten uns durch die Station vorwärts, immer den Scannersignalen folgend, Wir trafen auf Widerstand aber letztendlich nichts was uns wirklich aufhalten konnte. Den Spieß auf diese Weise umdrehen zu können war eine Genugtuung.
Sie hielt genauso lange bis wir das Labor fanden.
Ich.....bin zu nüchtern um mich daran zu erinnern.
<Recording on hold>

<Resumed>
Es ist schon erstaunlich welche Vorräte an diversen Alkoholika man auf einem so kleinen Schiff finden kann wenn man nur danach fragt. Damit ist dies dann wohl offiziell kein wirklich offizieller Bericht mehr...ich glaube es könnte mir nicht viel mehr egal sein.
Ah ja...das Labor. Wir fanden unsere Leute. Einen Teil von ihnen da, einen Teil von ihnen dort, ich glaube ich habe sogar ein noch intaktes Gehirn gesehen, dass an einer Art Scanner angeschlossen war. Erwähnte ich das noch lebende Crewmitglied der sie die Augen ausgestochen hatten? Natürlich ohne sie zu betäuben...man muss seine Laborratten ja auch nicht betäuben wenn man sie nicht schreien hören kann.
Muss praktisch sein. Was man da an Ressourcen spart.
Immerhin fanden wir Sahen und die Tarnvorrichtung. Beides glücklicherweise noch in einem Stück. Nicht so wie der arme Kerl, dessen Skelett sie für anatomische Studien aufgehängt hatten. Es war...deformiert..post mortem...hoffe ich.
Ich erinnere mich, als ich klein war, war ich mit ein paar Freunden gerne in einem Vergnügungspark. Eines unser Lieblingsfahrgeschäfte war eine altmodische Geisterbahn. Man lief hindurch und ab und zu fiel ein Skelett von der Decke oder man wurde durch das Labor von Dr. Frankenstein geschleust.
Und da stand ich mitten in dieser Station, Lichtjahre von zu Hause entfernt und suchte und suchte den Ausgang um mir Zuckerwatte zu kaufen aber ich konnte ihn nicht finde...bis jetzt nicht.  Wahrscheinlich gibt es keinen.
Sollte mir nicht schlecht sein?
Ich fühle gar nichts...obwohl...irgendwie...ist es sogar ein bisschen komisch...oder nicht?
Da tritt man Starfleet bei um neue Welten zu erforschen und landet zu Forschungszwecken in einem Reagenzglas. Es ist ein Witz...ganz sicher...nur ein Witz...
<Recording on hold>

<Resumed>
Hab mein Schiff zerstört. Saubere Explosion. Hat noch einen ordentlichen Teil der Kavallerie der Kreaturen mitgenommen. Über 200 Mann im letzten Gefecht. Irgendwie passend. Sven ist sauer. Er kann nicht verstehen warum. Aber was hätte ich denn machen sollen? Einen von der Columbia den Knopf drücken lassen? Oder Sahen? Einen FREMDEN? Nein, nein, nein...das waren wir ihr schuldig, es musste einer von uns sein. Es durfte niemand anders sein.
Und jetzt?
Jetzt ist alles weg.
Das Schiff, die Besatzung , alles.
Nur ich bin noch da.
Warum eigentlich?
Wozu?
>End of recording>