Ventas IV - Persönliches Tagebuch von
Keira Valeris, Crewman III Grade, Abteilung Wissenschaft

 

Bitte nicht vergessen, daß dies kein objektiver Missionsbericht wie von Ltnt. Com. Javert ist sondern ein höchst subjektives Tagebuch, sowohl was die Ereignisse als auch was die Eindrücke betrifft, die der SC von anderen SC bekommen hat ;-). Trotzdem viel Vergnügen beim Lesen.

 

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Nach Wochen der Routine im Raumsektor der Erilon ohne konkrete Befehle, zumindest keine, die an meine Abteilung gerichtet werden, ist meine Stimmung mäßig. Die letzten Versuchsreihen sind schon vor Tagen durchgelaufen und wer auch immer behauptet, an Bord eines Patrouillenschiffes gäbe es immer etwas zu tun lügt. Die Abwesenheit van Amelings in der Wissenschaftsabteilung sorgt für maximale Effektivität bei minimaler Konversation unter der Leitung von PO T’Cadra.

Wir nähern uns jetzt dem Planeten Ventas IV, wo wir auf die USS Exeter warten sollen, die aufgrund einer bald  zu erwartenden Supernova eine kleine Kolonie von Erilon evakuieren soll. Die Columbia soll die Exeter bei dieser Mission unterstützen. Der Kontakt mit den Erilon könnte sich ein wenig kompliziert gestalten, da diese Kolonisten schon vor 200 Jahren den Kontakt zu anderen Erilon abgebrochen haben und versuchen, fernab jeglicher anderer Zivilisation mit möglichst wenig Technik auszukommen. Außerdem gestaltet sich die Wandlung ihrer Sonne zur Supernova sehr plötzlich, schwankend und nicht den üblichen Parametern entsprechend aber mit beängstigender Eile. Das alles lässt uns sehr wenig Zeit, die Erilon mit dem Gedanken an eine Evakuierung vertraut zu machen, und die Zeit drängt.

Tatsächlich befinde ich mich wie der Großteil der Crew auf der Brücke, um wenigstens etwas Unterhaltung zu haben und gebe vor, meiner Vorgesetzten bei der Durchführung der Routinescans zu assistieren, eine Hilfestellung, derer sie keinesfalls bedarf, als uns ein Notruf eines Shuttles des Föderationsraumschiffs Exeter ereilt.
Das Shuttle wurde von der Exeter vorausgeschickt, um die Lage mit den Kolonisten zu klären, bis die Exeter eintrifft. Es wird momentan über Ventas IV von einer Waffenplattform unbekannter Herkunft beschossen und leitet eine Notlandung auf dem Planeten ein, die wohl in einer Bruchlandung enden wird, bedenkt man den desolaten Zustand ihrer Systeme. Commander Gallagher  beschleunigt auf maximalen Warp um dem Shuttle  zu Hilfe zu kommen. Gleichzeitig wird ein Außenteam zusammengestellt, das dem Team der Exeter auf dem Planeten beistehen soll. Ich bin mir nicht sicher ob ich mich freuen soll, dem Außenteam zugeteilt  zu werden aber andererseits bedeutet das im besten Fall wieder einmal frische Luft und festen Boden unter den Füßen. Da sieht man es wieder einmal – man sollte sich hüten, an Bord eines Schiffes über Langeweile  zu klagen. Kommt zur Sternenflotte, haben sie gesagt, da erlebt ihr Abwechslung, haben sie gesagt!

Kaum sind wir aus dem Warp ausgetreten werden wir von besagter Waffenplattform ins Kreuzfeuer genommen. Während der Commander ein Ausweichmanöver einleitet treibt Javert ihre Schäfchen zusammen. Der Commander wird versuchen, die Plattform zu vernichten, während das Außenteam auf den Planeten beamen wird um zu retten, was  zu retten ist. Spontan beschließe ich, mich doch zu freuen: Ich bin definitiv lieber auf einem Planeten als auf einem beschossenen Schiff!

Während sich also Gallagher mit einer gewissen Leidenschaft in eine Raumschlacht stürzt beamen wir hinunter auf Ventas IV, einem Klasse M Planeten, der Erde nicht unähnlich und finden nach kurzer Zeit das abgestürzte Shuttle der Exeter, mitsamt ihrer zum Teil schwerverletzten Crew. Während ich Dr. Knight assistiere, wie jeder andere, der eine Ausbildung in erster Hilfe hat macht sich der Rest auf die Suche nach der nahegelegenen Kolonie der Erilon. Zum Glück werden sie bald fündig und so können wir mit der freundlichen Unterstützung der Einheimischen im Dorf unterkommen, wo wir Unterkunft und Nahrung bekommen, sowie Hilfe bei der weiteren Versorgung der Verletzten.

Es ist merkwürdig, sich unter diesen Humanoiden zu bewegen, die dem äußeren Anschein nach so leben wie Menschen einer primitiven Kultur, auch wenn in einer Ecke des Gemeinschaftsraumes im Haupthaus ein antiquarisch anmutender Warpkern steht, der für die grundlegendsten energetischen Bedürfnisse sorgt. Die Erilon sind neugierig, was wir hier wollen, teilweise stehen sie uns leicht ablehnend gegenüber aber im Großen und Ganzen werden wir mit Wohlwollen, Hilfsbereitschaft und Höflichkeit empfangen. Der erste Befehl an uns lautet allerdings, dass wir uns über den Grund unserer Anwesenheit ausschweigen sollen; es sei die Aufgabe der anwesenden Counselor, den Erilon die Neuigkeit morgen möglichst schonend beizubringen. Das hinterlässt bei mir ein ungutes Gefühl, die Erilon sind so arglos. Es fällt mir nicht leicht, auf direkte Fragen zu lügen. Genauer gesagt missfällt mir der Befehl, aber ich sehe ein, dass es besser ist, wenn die Erilon gesammelt von einem ausgebildeten Counselor auf die radikale Änderung ihrer Lebensumstände eingestellt werden als dass einzelne nur Gerüchte und Plattitüden zu hören bekommen.

Ihre Gemeinschaft macht einen soliden und eingeschworenen Eindruck, zwar stehen sie technischen Errungenschaften nicht gerade feindselig gegenüber aber für sich persönlich lehnen sie sie doch eher ab und versuchen, dem Willen ihrer Vorfahren zu folgen, die damals diese Kolonie gründeten. In allen Dingen hören sie auf ihren Voron, in ihrem Fall ein älterer Herr, eine Art Vorsteher und geistigen Führer der Gemeinschaft, einen Primus inter Pares. Das macht sie einerseits stark in ihrer Gemeinschaft, andererseits lässt es sie ein wenig naiv wirken, so dass einige von uns, ich nicht ausgenommen, sich schwer zusammenreißen müssen, um die Erilon nicht herablassend oder mit dem dünkelhaften Wohlwollen einer vermeintlich weiter entwickelten Spezies einer niedrigeren Lebensform gegenüber zu behandeln.
Schließlich sollte zumindest jedes Mitglied der Columbia besser als jeder andere wissen, dass Wissenschaft und Fortschritt allein keineswegs den Gemeinschaftssinn fördern und dass moralische Überlegenheit nicht mit dem Besitz der höher entwickelten Technik Hand  in Hand geht.
Ich weiß nicht ob das jedem gelingt.

Einige Erilon scheinen sich von unserer Anwesenheit gestört zu fühlen, während andere uns neugierig ausfragen. Besonders ein Mann stellt lautstark alles was wir tun in Frage, aber ob das einer gewissen Unsicherheit entspringt oder es sich um den notorischen Nörgler und Querkopf handelt, den es  in jeder Gemeinschaft geben muss kann ich noch nicht abschätzen.
Jedenfalls gibt es keinerlei Grund, sich über das Quartier oder die Verpflegung  zu beschweren, ganz im Gegenteil. Die Mannschaftsmitglieder der Exeter mitsamt ihrem Führungsoffizier Lindström machen ebenfalls einen umgänglichen und kooperationswilligen Eindruck.
Ganz besonders Lindström scheint sich durch einen lockeren Führungsstil auszuzeichnen, der mir von meinen bisherigen Erfahrungen mit der Sternenflotte her zu urteilen eher ungewöhnlich erscheint. Offenbar hat die Exeter eine Bordküche und eine Köchin, die die Mannschaft mit echtem Essen versorgt. Lindströms Blick wird geradezu wehmütig als sie von der Versorgung mit Kuchen berichtet. Erheiterung breitet sich aus, als sich die Unterhaltung des Abends zwischen den Mannschaftsmitgliedern und Kolonisten an meinem Tisch bei einem hervorragenden Essen fast ausschließlich um das Essen und den Vergleich zwischen Nahrung aus den Replikatoren und eigenhändig zubereitetem Essen aus frischen Zutaten dreht. Den Kolonisten dreht sich bei der Beschreibung von Replikatoren und Verwertung organischer Rückstände an Bord der Magen um. Aber schließlich sehen auch die Kolonisten ein, dass es im Grunde wenig Unterschied macht, ob man biologischen Rückständen oder Energie Farbe, Form, Geschmack und Textur verleiht oder ob man sich „Bienenkotze“ (später identifiziert als Honig) in den Tee gibt oder „verschimmelte Milch“ (syn. Käse) aufs Brot schmiert. Über die Herkunft von Eiern ganz zu schweigen. Wir verabschieden uns für die Nacht in gelöster Stimmung.

Ich frage mich allerdings wie lange die Zusammenarbeit zwischen den Teams gut gehen wird, da mir Lindström und Javert charakterlich doch eher gegensätzlich gestrickt  zu sein scheinen. Ich glaube, ich bevorzuge klare Ansagen und Tatendrang gegenüber den mir sehr bedacht scheinenden Forderungen Lindströms, auch wenn ihr das Wohlergehen ihrer Crew ganz eindeutig sehr am Herzen liegt.
Da ich aber der unterste Teil der Hierarchie bin steht es mir ohnehin in keinster Weise zu, mir darüber Gedanken zu machen. Schließlich hat sich das Modell der hierarchischen Befehlsstruktur evolutionstechnisch erfolgreich durchgesetzt. Wem das nicht passt, der mag sich mit einem alten Zitat trösten:
Wer nicht gehorchen kann, der kann auch nicht befehlen.
Gut zu wissen, dass sie alle einmal durch diese Schule gegangen sind...so lange sie es nur nicht vergessen. Und dennoch glaube ich, dass es einen großen Unterschied zwischen Gehorsam und Respekt gibt...aber ich schweife ab.
Wir werden eine Weile ausharren müssen, Commander Gallagher informierte uns bereits über den erfolgreichen Abschuss der Waffenplattform, aber die Columbia ist schwer beschädigt und muss repariert werden.
Ich bin gespannt, was der morgige Tag bringt.

Der Tag beginnt mit Teambildungsmaßnahmen –  die Abteilungen finden sich am nächsten Morgen zusammen um den Wünschen ihrer Offiziere nachzukommen. Wir sollen die Umgebung untersuchen, protokollieren, welche Pflanzen für die Erilon am wichtigsten sind und was im Falle einer gewünschten Evakuierung unbedingt nötig wäre.
Apropos schonendes Beibringen von schlechten Neuigkeiten - ich weiß nicht, was schiefgegangen ist, ich glaube einzelne Mitglieder der Crew haben den Befehl zum Verschweigen des Grundes unseres Aufenthaltes nicht mitbekommen und die Erilon hatten schon einen schlimmen Verdacht – aber vielleicht versteht Lindström darunter auch etwas anderes als ich. Als sie den Erilon kurz und bündig mitteilt, dass wir hier sind weil ihre Sonne zur Supernova wird und sie über eine Evaluierung nachdenken müssen ist der Schrecken bei den Erilon doch sehr groß. Ich glaube schonend geht anders, andererseits weiß ich beim besten Willen nicht, wie man solch eine Neuigkeit überhaupt anders als direkt beibringen kann. Vielleicht hätte das ein ausgebildeter Counselor gewusst...

Dann sieht es so aus, als ob ein Team Blutspuren im nahegelegenen Wald gefunden hätte. Da die Kolonisten keinen aus ihrer Mitte vermissen und auch niemand verletzt ist fragt man sich, von wem das Blut stammen könnte. Die Menge ist beträchtlich, wenn auch mindestens einige Wochen alt, genauer lässt sich das nicht sagen. Also beginnen die Mediziner mit der Analyse des Blutes und nachdem festgestellt wird, dass es sich um Erilonblut handelt übernimmt es das Team aus Medizinern unter der Leitung von Dr. Knox vom Raumschiff Exeter das Blut mit dem der Kolonisten zu vergleichen, die bereit sind, ihr Blut zur Verfügung zu stellen. Eigentlich eine sinnlose Sache, denn wenn jemand etwas  zu verbergen hat, stellt er sein Blut nicht freiwillig zur Verfügung. Aber so lange niemand weiß, was dahintersteckt schadet eine Untersuchung auch nicht. Einigen passt das nicht, die Erilon sind misstrauisch. Ich möchte nicht  in der Haut der Mediziner stecken...und ertappe mich selbst wieder dabei, wie einfach es wäre, das Rätsel zu lösen, wenn man sich einfach nehmen könnte was man braucht, ohne erst um Erlaubnis  zu bitten. Auch drängt sich zunehmend der Verdacht auf, dass es kaum möglich ist, dass die Erilon untereinander und nach außen hin wirklich derartig ehrlich und offen sind, wie sie es vorgeben. Welchen Grund könnten sie also haben, ihr Wissen vor uns zu verschleiern? Andererseits scheinen die Erilon dasselbe  von uns  zu denken und so geben wir uns größte Mühe, das bisher in uns gesetzte Vertrauen nicht  vollständig zu verlieren.

Währenddessen stellt sich heraus, dass die Erilon eine seltene Beerenart ganz besonders kultivieren. Gemeinsam mit meinem Kollegen Maschbuur und zwei anderen Wissenschaftlern von der Exeter, einem Trill und einem humanoiden Katzenwesen, mache ich mich daran, die Beeren zu analysieren. Deren Eigenschaften gewinnen an Bedeutung, als sich im Laufe des Tages abzuzeichnen beginnt, dass auf diesem Planeten mitnichten immer nur eitel Sonnenschein herrscht. Auch wenn das mit einer drohenden Supernova ein dummer Vergleich ist...aber egal. Offenbar kommt mit schöner Regelmäßigkeit eine Mannschaft des Orionischen Verbrechersyndikats vorbei, zwingt die Erilon dazu ins Haupthaus zu gehen, nimmt ihnen einen Großteil der geernteten Beeren ab und zieht wieder ab, meistens ohne dass jemand zu Schaden kommt. Die Erilon haben sich scheinbar resigniert mit dieser Plage abgefunden, schließlich lässt man ihnen sonst alles, was sie  zum Leben benötigen. Auch von den Beeren dürfen sie genug für den Eigenbedarf behalten.
Die Techniker scharen sich unterdessen enthusiastisch um den Warpkern und versuchen, eine Möglichkeit zur Kommunikation mit der Columbia  zu finden, was sich als schwierig gestaltet, da Strahlung aus dem Warpkern gewisse Übertragungen, auch solche telepathischer Art, zu blockieren scheint und man außerdem nicht riskieren möchte, das Syndikat über unsere Abwesenheit zu informieren, indem man Botschaften sendet. Die Wissenschaft ist mit den Analysen von Blut und Beeren hinreichend beschäftigt und die Erilon versuchen zu entscheiden, ob wir nun die Guten oder die Bösen sind.
Die Security hingegen scharrt mit den Hufen.
Erst als die Worte „Orion Syndikat“ und „höchstwahrscheinlich heute Abend  zu erwartender Angriff der Orioner“ fallen, breitet sich auch auf den Gesichtern der Sicherheitsleute wieder so etwas wie Zufriedenheit aus. Ich schwöre, ich habe O'Connor und Wynter grinsen sehen. Fehlt nur noch, dass die Security sich gegenseitig abklatscht.

Wir erhalten Ergebnisse, aber sie schüren unsere Unsicherheit. Dazu kommt die Sorge um den Verbleib unseres Schiffes, schließlich wissen wir nicht, wie lange die Reparaturen dauern werden. Wichtigste Information die Beeren betreffend ist die Tatsache, dass sie sich – nebst in Küche und Handwerk nützlichen Färbe- und Würzeigenschaften -  mit Alkohol zu einem Wein destillieren lassen und auch zur Herstellung einer Droge taugen, die hochpotent ist aber wenig suchtfördernd.  Somit handelt es sich um die ideale Luxusdroge für die gelangweilte High Society. Damit ist zumindest klar, warum das Orionsyndikat die Beeren raubt. Weitaus weniger klar ist der Grund unserer Anwesenheit hier. Was hat also die Waffenplattform da oben zu suchen? Wer hat sie dort hingestellt? Die Orioner? Die alten Erilon? Warum schießt sie jedes sich nähernde Schiff ab? Ist die Supernova echt? Sie verläuft untypisch, wäre es möglich, dass eine groß angelegte Täuschung im Gange ist? Kann es wirklich sein, dass das Sternenflottenkommando auf eine gefälschte Supernova hereingefallen ist? Eigentlich unvorstellbar. Und wozu sollte man das tun? Damit die Erilon von hier evakuiert werden? Wer hätte das anzetteln sollen, die Orioner, um freie Bahn zu haben? Die Xartak, Erzfeinde der Erilon? Alles erscheint unklar und uns fehlen etliche Informationen um das Puzzle  zusammenzusetzen. Von wem stammt das Erilonblut im Wald?
Die Verwirrung ist groß und die Verschwörungstheorien häufen sich.
Ich gerate mit O'Connor in Streit über die Motive. Er besteht darauf, dass die Orioner hier einfach nur ein Regime der Angst etabliert haben und die Erilon schlicht erpressen, mir scheint diese Theorie ein wenig zu einfach, bedenkt man die vielen unklaren Punkte, die noch nicht ins Bild passen.

O'Connor wirft mir vor, auf typische Wissenschaftlermanier dort Logikprobleme zu suchen wo keine sind, einfach um es ein bisschen komplizierter  zu machen. Ich hingegen halte ihm vor, ganz nach Art der Security zu wenig nachzudenken und lieber die einfache Lösung zu suchen, um einen Grund  zu haben, irgendjemandem aufs Maul zu geben. Zum Beispiel den Orionern, wenn sie denn heute Abend kommen. Irgendwann gibt O'Connor entnervt auf und entzieht sich einer weiteren Diskussion, dennoch fühlt es sich nicht wie ein Triumph der Wissenschaft an weil ich mir ehrlich gesagt genau so dämlich vorkomme wie er mich vermutlich hält. Tatsache ist, dass wir beide keinerlei Ahnung haben, was hier wirklich passiert aber genau an dem Punkt scheiden sich eben die Geister. Die Wissenschaft versucht dem Problem auf den Grund  zu gehen, die Security versucht, das Problem aus der Welt  zu schaffen. O'Connor und Wynter sind Soldaten. Gebt ihnen ein Ziel und einen Phaser und sie sind glücklich aber ich weiß wirklich nicht warum ich versuche, meinen Standpunkt klar zu machen. Vielleicht gibt O'Connor nur vor mich nicht zu verstehen um mich zu ärgern! Wir werden sehen, wer am Ende recht behält.

Dann meldet die Technik, im alten Warpkern einen Holoemitter gefunden zu haben und versucht nun, ihn zu entnehmen. Das gestaltet sich als schwierig, wer immer das Ding  dort zu welchem Zweck installiert hat wusste was er tat und hat alle möglichen Sicherungen installiert.

Die Küche der Erilon unternimmt derzeit einen geradezu kriminellen Sabotageakt, um uns ins Koma  zu versetzen. So jedenfalls fühlt es sich an, nachdem der Koch uns mit einer Kuchenkreation in Versuchung geführt hat, die einen Vergleich mit der „Neutronenbombe“ getauften Kreation aus der Küche der Exeter nicht  zu scheuen braucht.

Irgendwann gibt es interessante Neuigkeiten von der Technik. Leider erweist sich eine Geheimhaltung, wie eigentlich von Javert gewünscht als unmöglich, da die Erilon schlecht aus ihren eigenen Quartieren und dem Gemeinschaftsraum vertrieben werden können.
Der Holoemitter ersetzt den Voron! Der alte Mann, der die Gemeinschaft anführt ist in Wirklichkeit ein Hologramm.
Daraufhin erhärtet sich der Verdacht, dass das Blut im Wald von ihm stammt – aber wo ist er dann? Tot? Entführt von den Orionern? Ein DNA Vergleich mit Material aus seinem Quartier bestätigt, dass es sein Blut ist, das  im Wald gefunden wurde. Die Erilon sind sehr besorgt um ihren Voron.
Mittlerweile geben die Erilon auch zu, dass der Voron schon seit einiger Zeit für ein Verlassen der Kolonie plädiert – seit einigen Monaten, genauer gesagt. Wieder ist mir unklar, warum die Orioner diesen Aufwand treiben sollten. Außerdem hätten die Erilon ohne unser Eintreffen ohnehin keinerlei Möglichkeit gehabt, irgendjemanden um Hilfe  zu rufen. Natürlich wäre es denkbar, dass die Orioner sich als Retter in der Not präsentiert hätten und die Erilon evakuiert hätten, aber das würde nur Sinn ergeben, wenn sie die Beeren mitnehmen könnten, um dann womöglich die Erilon als Arbeitssklaven auf irgendeinen anderen Planeten zu bringen, damit sie für sie die Drogen anbauen. Mittlerweile zeichnet sich aber ab, dass die Beeren sehr spezifisch sind und auf genau diesen Kulturboden mit einem genau definierten Gehalt an seltenen Mineralien angewiesen sind, es ist mehr als fraglich, ob man die Beeren anderswo kultivieren könnte – warum wissen das die Orioner nicht? Immer noch fehlen uns einzelne logische Teilchen.

Die Erilon haben den Tag damit verbracht, das Für und Wider einer Evakuierung durch unsere Hilfe zu diskutieren – die Konfrontation mit dem Verlust ihres Voron stürzt sie  in heillose Verwirrung. Ohne ihr Oberhaupt scheint die Gemeinschaft im wahrsten Sinne des Wortes kopflos zu sein. Glücklicherweise sind sie dann doch in der Lage, eine Vertretung  zu wählen und sich zu fassen.
Unterdessen unternehme ich mit Javert und anderen einen Streifzug durch die Botanik. Die Flora und Fauna dieses Planeten ist so reichhaltig und einzigartig wie auf jedem anderen Klasse M Planeten und zu wissen, dass dieser Reichtum in wenigen Monaten unweigerlich vernichtet sein wird stimmt mich in höchstem Maße traurig.
Die Security entwirft währenddessen einen Schlachtplan, um für die Orioner vorbereitet zu sein. Dann aber geschieht etwas, das alle aus der Bahn wirft.

Zwei Abgeordnete des Syndikats treten bewaffnet aber offen auf und unterbreiten uns ein Ultimatum: Sie haben zwei der Erilonkinder entführt. Zum Beweis geben sie uns ein Fläschchen mit Serum der Kinder, aus dem wir sehr bald feststellen sollen, dass die Kinder vergiftet wurden und ihnen noch eine Stunde bleibt, ehe das Gift tödlich wirkt. Im Verlauf dieser Stunde wollen die Verbrecher sämtliche von uns gesammelten Daten über die Beeren auf einem Padd überreicht bekommen.
Javert bleibt zwar äußerlich ruhig, aber ich habe den Verdacht, dass sie die Orioner am liebsten mit einem Phaser beharken würde.
Ich ergreife die Initiative und übergebe das Serum an die Mediziner und Wissenschaftler, mit der Bitte, ein Antidot gegen das Gift zu entwickeln – in nur einer Stunde, eine fast unmögliche Herausforderung aber sicher ist sicher. Gleichzeitig bitte ich Dr. Knox um die Überspielung sämtlicher meiner gesammelten Daten über die Beeren auf ein Padd, um es Javert zu übergeben.

Als ich wieder zu meiner Vorgesetzten stoße gerate ich unvermutet in einen Krieg zwischen zwei Hyänen. Javert und Lindström liegen sich – umgangssprachlich ausgedrückt – in den Haaren. Zwar war das nur eine Frage der Zeit aber muss das wirklich gerade jetzt sein? In 45 min. sind die Kinder verloren.
So wie es aussieht möchte Javert losstürmen und die Geiseln befreien, solange die Orioner noch wenige und leicht  zu überraschen sind, während Lindström für eine friedliche Lösung und die Übergabe der Daten im Austausch gegen die Kinder plädiert. Zwar haben beide Standpunkte ihre Berechtigung aber was wir jetzt brauchen ist eine schnelle Entscheidung und eine Richtlinie, keine keifenden Offiziere. Ich bin mir selten überflüssiger vorgekommen als  in diesem Moment mit meinem Padd, von dem ich nicht weiß, ob ich es überreichen soll oder nicht, besteht doch die Gefahr, dass Javert es auf den Boden pfeffert (wenn sie es mir nicht um die Ohren schlägt) oder Lindström es als willkommenen Anlass sieht, Javert auszubooten. Den höheren Rang hat ganz eindeutig Lindström...den stureren Willen vielleicht Javert...
Kurz spiele ich mit dem Gedanken, die Damen daran zu erinnern, dass ihr Streit die Crews verunsichern könnte und eine professionelle und vor allem leise Einigung auf ein gemeinsames Vorgehen zuträglich wäre...halte aber dann wohlweislich doch den Mund. Solch eine Einmischung wäre einer weiteren Karriere wohl kaum zuträglich, außerdem steht es mir nicht zu und drittens habe ich Angst, dass sie mich dann beide gemeinsam auffressen!
Kurz bin ich gespannt, ob Javert womöglich den Willen Lindströms einfach ignorieren wird, ungeachtet der Konsequenzen, aber offensichtlich kennt auch Javert die letzte zu überschreitende Grenze ganz genau.
Zum Glück rettet mich der dabeistehende Techniker Gilmore aus meiner Verlegenheit und nimmt das Padd in Gewahrsam, bis die Damen sich geeinigt haben. Ich verlasse den Schauplatz des Kräftemessens, schließlich hat die Wissenschaft gerade Wichtigeres  zu tun und nur sehr wenig Zeit dafür – das Antidot muss entwickelt werden!

Als sich die Offiziere wieder einig sind steht das Vorgehen bald fest. Javert konnte sich wohl durchsetzen – interessant  war zu beobachten, dass sie offenbar im Falle einer Geiselnahme  zu keinerlei Kompromissen bereit ist. Mittlerweile ist die Kommunikation zur Columbia wieder etabliert, was auch zu einer Entscheidung beiträgt, denn Gallagher warnt uns, dass ein Trupp von etwa 20 Mann sich dem Dorf nähert während ein anderer Trupp etwas weiter entfernt die Geiseln bewacht. Diese Informationen lassen eine friedliche Lösung mit den Leuten vom Syndikat unwahrscheinlicher werden. Also werden die Crews aufgeteilt. Ein Teil unter dem Kommando von Javert soll die Geiseln befreien, der Rest soll das Haus sichern, in dem die Wissenschaftler das Antidot entwickeln und in dem die Erilon geschützt werden.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht genau, wie das passieren konnte, aber plötzlich finde ich mich mitnichten in der Sicherheit des Labors wieder sondern stehe in einem schmalen Gang im Haus hinter einer Ecke, bewaffnet mit einem Phaser und habe den Befehl, jeglichen Eindringling über den Haufen zu schießen und  zu verhindern, dass sie  in den Raum vordringen, in dem sich Erilon und Wissenschaftler verschanzt haben.
Einen Vorteil hat die Sache – noch nicht einmal ich wäre  in der Lage, in diesem schmalen Gang einen Eindringling mit meinem Phaser zu verfehlen, der Nachteil allerdings ist, dass man mich ebenso leicht erschießen kann. Ich weiß wieder, warum ich nie in die Sicherheit wollte, verdammt, ich weiß, warum ich eigentlich nie auf ein Schiff wollte. Aber vielleicht bekomme ich, wenn ich mich nur oft genug in solchen Situationen wiederfinde, Geschmack daran und werde so wie O'Connor und Wynter! Oh nein, ich kann nicht glauben, dass ich das gerade so im Computer gespeichert habe!
Das Adrenalin droht mir jegliche Vernunft zu unterbinden aber als die Eindringlinge über die Treppe und die äußere Tür hereinkommen, kann ich mich zumindest so weit zurückhalten, bis der erste seine Nase um meine Ecke schiebt, um ihn unschädlich zu machen. Leider trifft mich das Phaserfeuer seines Hintermannes direkt in die Brust noch während mir mein Gegner vor die Füße fällt. Noch eine schmerzhafte Erfahrung, auf die ich gerne verzichtet hätte. Vage bekomme ich mit, wie der nächste vorstürmt und die Herausgabe des Informationspadds erzwingt, andernfalls würde er die Tür sprengen. Unter diesen Umständen sollen die Orioner die Informationen doch bekommen, ich bezweifele, dass sie ihnen noch viel nützen wird. Dann verliere ich das Bewusstsein.

Als ich wieder zu mir komme gleicht das Haus einem Lazarett, aber ich erfahre bald, dass es keine Verluste gab, die Kinder gesund und frei sind und wer vom Orionsyndikat nicht von unseren Leuten ergriffen wurde, wurde von Commander Gallagher und der eingetroffenen USS Columbia aufgegriffen.
Selten war ich so dankbar für die Existenz von Schmerzmitteln, Hautregeneratoren und die Fähigkeiten unserer Mediziner. Javert ist in einem desolaten Zustand – beileibe nicht zum ersten Mal, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, aber sie stand in vorderster Reihe vor den Orionern, als die Verhandlungen bei der Geiselnahme in offene Gewalt übergingen. O'Connor und Wynter dagegen sehen richtiggehend glücklich aus. Offenbar geht für die Security doch nichts über ein kleines Geiseldrama und eine Hausschlacht. Verstehe einer diese Männer!

Da aber nun feststeht, dass die Columbia uns morgen wieder aufsammeln kann, die Exeter bald eintreffen wird um die nun umsiedlungswilligen  Erilon an einen Ort ihrer Wahl zu bringen, die Verbrecher des Syndikats in Gewahrsam sind und niemand sterben musste bis auf den unglücklichen Voron vor einigen Monaten hindert uns nun nichts mehr daran, den Abend mit gutem Essen und Gesprächen zu verbringen.
T’Cadra erweist sich als erstaunlich gesprächig und eröffnet uns auf Nachfragen der Erilon (Fragen, die ich niemals gewagt hätte zu stellen) erstaunliche Einblicke  in die vulkanische Kultur und auch der Trill plaudert aus dem Nähkästchen. Für mich ist es erstaunlich, dass er es ausgeschlagen hat, mit einem Symbionten vereinigt zu werden, obwohl er das Vorbereitungsprogramm erfolgreich durchlaufen hat. Wieder zeigt es sich, dass die Individuen einer Rasse in sich so unterschiedlich und vielfältig sind wie die Rassen selbst, egal wie hoch oder niedrig entwickelt sie sind. Jeder Verlust einer solchen Vielfalt sollte als schmerzhaft empfunden werden. Für Ventas IV, der Planet der bald  in einer Supernova verglühen wird, ist die Chance bald vorbei, Vielfalt  zu beherbergen und  zu entwickeln. Wie kann etwas, das in der Unendlichkeit des Kosmos so bedeutungslos erscheint, mich so traurig stimmen?
Nachdem ich jetzt auch Javerts Missionsbericht lesen kann dürften sich auch die fehlenden Erklärungen finden, ich bin gespannt auf die Einzelheiten...

Nachtrag: O'Connor hatte Recht! Mist!