Persönliches Logbuch von Alva Tucker, Crewmen 3rd Class,
Sternzeit 23831212.204

 


Ich habe mich entschlossen meine Dienstakte über die derzeitige Arbeit im Ingenieur-Corps der Sternenflotte über den Refit von Flottenschiffen mit einem praktischen Einsatz auf einem passenden Schiff aufzubessern. Da ich gerade die Gelegenheit habe den Einbau von Ausrüstung in die USS Columbia im Raumdock zu begleiten, ist das vermutlich ein günstiger Zeitpunkt. Ich bin dem Team von Petty Officer Arel zugeteilt worden. Wir haben die Bauteile aus dem Lager der Werft auf die USS Columbia gebracht und die ersten Inventurschritte für die Arbeitsplanung abgeschlossen und protokolliert. Wie immer ist Officer Arel ein Vorbild an handbuchkonformer Vorgehensweise.

Der leitende Ingenieur der USS Columbia ist Ensign Reynolds, er hält heute einen Vortrag über die von ihm geplanten Verbesserungen. Das sollte uns mehr Aufschluss über die nicht ganz konsistenten Lieferbestandteile des Missionscontainers Delta-III-786 bringen.

Der Vortrag erklärt eines und wirft doch neue Fragen auf. Scheinbar haben wir es wieder mal mit einem Ingenieur zu tun der alle handbuchkonformen technischen Anweisungen für Ballast hält und aus einem Standard-Design für eine ganze Schiffsklasse ein besonderes und für Dritte kaum wartbares Spezialdesign machen möchte. Monatelange Arbeiten und Abstimmungen eines hoch spezialisierten Techniker- und Ingenieursteams können natürlich von einem einzigen Mann in Rahmen einer Studienarbeit übertroffen werden.  Ensign Arel ist überhaupt nicht begeistert. Ich kann immerhin nachvollziehen warum die Mannschaft nach schlechten Erfahrungen mit den für sie neuen bioneuralen Gelpacks die ihnen besser bekannten alten isolinearen Chips als Backsystem einsetzen möchten, aber der Versuch einen alten Hauptcomputerkern so zu verbessern das er die Leistung eines modernen Standardsystems erreicht erschließt sich auch mir nicht.

Es beginnt die übliche Diskussion…

Noch während wir die Arbeitsschritte besprechen werden wir auf die Brücke gerufen. Der Captain überrascht uns mit der Nachricht er wolle sofort auslaufen, mit abgeschalteten Maschinen, neu verlegten Energieverteilungsnetz und ohne eine einzige ernsthafte Inbetriebnahmeprozedur. Nach kurzer Diskussion folgen wir der direkten Anweisung und gehen Kopfschüttelnd zurück in den Maschinenraum.

Da viele Standardprozeduren modifiziert wurden arbeiten wir uns durch die Konfiguration und nehmen möglichst viele nicht benötigte Systeme erst einmal vollständig vom Netz um die Basiskonfiguration ans Laufen zu bekommen. Aus den angewiesenen 15 min werden Stunden, aber wir bekommen den Impuls auf 50% und den Warpkern für Warp 8 online. Die Erzeugung der Energie ist gesichert, aber die Verteilung bereitet uns Probleme. Dieser Schiffstyp ist ja bereits aus der Entwicklung heraus bekannt dafür dass er eine besonders sensible Abstimmung der Trägheitsdämpfer und strukturellen Integrität mit der eigentlich überdimensionierten Antriebs- und Waffeneinheit benötigt.

Aus den Anforderungen an die Systeme (Sensoren, Waffen) und ein wenig Flurfunk erfahre ich dann dass der Auftrag etwas mit der Verfolgung eines Frachters und der Entführung eines Crewmitglieds durch das Orion Syndikat zu tun hat. Es fehlt der XO Javert. Ich habe diese Offizierin bisher nur kurz in der Bar der Werft gesehen. Da aber fast alles auf diesem Schiff irgendwie der Geheimhaltung unterliegt und uns Neuen möglicherweise auch nicht vertraut wird bleibt mir das Meiste zunächst im Unklaren. Nach dem Start versuchen wir weiter die Leistung der Systeme abzustimmen und zu verbessern. Wir haben durchbrennende isolinearen Chips und jede Menge Interferenzen in den Systemen, die den Sensoren am stärksten zu schaffen machen. Schließlich schaffen wir es wenigstens ein paar Waffentests erfolgreich abzuschließen.

Nach einer Doppelschicht wird die komplette Mannschaft zu einer Einsatzbesprechung gerufen. Endlich gibt es etwas Licht im Dunkeln. Zu meiner Überraschung beginnt die Besprechung damit dass der derzeitige Captain des Schiffes, Cmdr. Gallagher,  sein Kommando an  Linnert übergibt. Wir werden darüber informiert dass sich der Sternenflottensicherheitsdienst eingeschaltet hat. Nun, es ist definitiv etwas Ernstes. Zusätzlich kommt ein Sicherheitsspezialist an Bord und dieser bildet Eingreif-Teams aus. Wir sind mit der Technik noch mit handbuchkonformen 2 Wochen Arbeit für die nächsten 4-8 Stunden versorgt – und haben immer noch Schwierigkeiten mit der Energieverteilung. Immerhin arbeiten wir inzwischen recht effizient zusammen.

Das erste Missionsziel ist eine Bar, um eine Informantin aufzusuchen. Die Besprechung klingt für mich eher wie „entführen“, aber das ist nicht  mein Problem. Das Ergebnis der Mission wäre möglicher an mir vorbeigegangen, wenn nicht Stunden später plötzlich eine Oriontänzerin an Bord und in unserem Maschinenraum aufgetaucht wäre. Endlich etwas Abwechslung, aber natürlich drängelt sich der ranghöchste Ensign vor und scharwenzelt mit der Dame am Arm durchs Schiff. Wir haben ja noch Arbeit zu erledigen…..

Zu allem Überfluss langweilt sich wohl die Wissenschaftsabteilung so sehr das sie eine Impfung für die komplette Crew anordnen. Mir wird von dem Zeug schwindelig und ich kann gleich eine Pause auf einer medizinischen Liege einlegen. Wenigstens helfen die Medikamente des klingonischen Arztes – nach allem was ich den 15 min auf der Krankenstation gehört habe bin froh als ich den Maschinenraum wieder aufsuchen kann.

Die Informationen der Tänzerin führen uns zu einer verlassenen Station, die wohl als Kommunikationsrelais benutzt wird. Ich werde eingeteilt den Kommunikationsknoten zu infiltrieren. Wir beamen zu viert auf die (hoffentlich wirklich) verlassene Station. Die Sicherheitschefin der USS Columbia MacPherson führt den Trupp und versucht das Kraftfeld auszuschalten, leider ohne Erfolg. Das System ist hervorragend gesichert, da sind keine kleinen Ganoven am Werk. Schließlich bekommen wir von der Oriontänzerin den Code übermittelt und arbeiten uns weiter zu den wenigen Energiesignaturen auf unserem Scanner vor. Die Station ist zwar verlassen, aber sehr gut überwacht und wir lösen einen Alarm aus. Dennoch schaffen wir es zu dem Computerknoten, den wir aufgrund der Situation einfach komplett abschalten und ausbauen. Ich bin heilfroh nach meiner ersten Außenmission wieder heil an Bord zu sein.

Der Computer ist zwar Sternenflottenstandard, aber stark verschlüsselt. Nach längerer Analyse mit Hilfe des Wissenschaftsoffiziers van Ameling gelingt es den Code zu entschlüsseln. Was wir da lesen macht uns aber keine Freude. Die Orionpiraten haben einen guten Geschmack was technische Systeme und Waffenkomponenten angeht. Das ist definitiv eine Nummer zu groß für dieses Schiff, selbst in einwandfreiem Zustand. Immerhin haben wir die Spur des gesuchten Frachters aufnehmen können und schaffen einen Rendezvouskurs.

Als wir den Frachter erreicht haben, finden wir ein ruhendes Schiff. Soweit ich das mitbekommen sind unsere Sensorenscans erfolgreich und es befinden sich nur zwei vermutlich angetrunkene Personen an Board. Wir beamen ein Einsatzteam mit unseren Sicherheitsspezialisten hinüber. In der Zwischenzeit arbeiten wir in der Technik weiter an unserem Plan einer gegnerischen EPS-Überlastung durch gezielte Hauptemitter-Emissionen anhand der Spezifikationen des entschlüsselten Computerknotens. Wir müssen mehrere Annahmen treffen da wir nicht wirklich wissen mit was für einem Schiff wir es zu tun haben werden. Die Simulationen decken einen ganzen Baum von Alternativen ab.

Das Einsatzteam kehrt zurück, scheinbar war es doch nicht so einfach wie gedacht. Sie bringen die beiden Personen des Frachters mit, es gab wohl ein Gefecht. Es gibt aber keine Verletzten auf unserer Seite. Das Team hat auch eine Computerkonsole aus der anderen Brücke ausgebaut, deren Daten wir nun analysieren. Hoffentlich finden wir etwas über das Schiff, an die der Frachter seine Ware abgeliefert hat. Die Sensoren des Frachters sind sehr einfacher Standard, aber wir bekommen ein Bild eines Großkampfschiffes des Kalisyndikats und ein paar Zeitinformationen. Außerdem bestätigt sich das Lt. Javert auf dem Schiff war anhand von Blutspuren. Die Stimmung an Bord wird merklich angespannter.

Wir nehmen noch weitere Änderungen an den Waffensystemen vor. Das wird uns zwar den Hauptemitter der Phasenphalanx kosten, ist aber eine weitere knifflige Aufgabe für die Sensorendteuerung und die Energieverteilung. Das waren inzwischen mehr technische Varianten als ich im letzten Jahr im technischen Corps simulieren durfte, und inzwischen bin ich völlig trunken was die Möglichkeiten des Einsatzes unserer Standardsysteme angeht. Ich nehme an wenn ich ausgeschlafen nachträglich die technischen Protokolle durchgehe werde ich um Jahre altern.

Es gibt weitere Einsatzbesprechung mit der Admiralität. Wir werden wohl einen kombinierten Angriff mit mehreren Schiffen auf den Orion-Stützpunkt fliegen, und wir erwarten massiven Widerstand. Wir haben inzwischen die Systeme für die EPS-Überlastung einsatzfähig, aber ohne echte Testmöglichkeit ist der Erfolg weiterhin fragwürdig.
Inzwischen bin ich so übernächtigt und voller Adrenalin, das ich nur hoffen kann die manuellen Schritte für die Umschaltung nicht zu verpatzen. Die Brücke hat sich in einen summenden Bienenstock verwandelt. Ich stehe an der provisorisch verbauten SPE-Steuerung und warte auf den Zeitpunkt der manuellen Umschaltung. Bis dahin kann ich nur mit ansehen wie wir gegen einen übermächtig scheinenden Gegner anfliegen. Wir werden tatsächlich von vielen kleinen Schiffen angegriffen, so das unsere letzte Waffenmodifikationen Gold wert sind – bis dann eben die primären und sekundären Energierelais der Ermittlergespann der Belastung nicht mehr gewachsen sind. Die ersten direkten Treffer steckt die USS Columbia noch gut weg, aber dann fordern die Belastungen und das Flickwerk an den ODS Leitungen ihren Tribut. Die automatischen Abschaltungen und Löscheinrichtungen verrichten ihre Dienste, aber wir schalten alles an Backup und Notversorgungsüberbrücken ein die wir zur Verfügung haben – wir stecken mitten in der Schlacht. Mehrere Konsolen auf der Brücke sterben den Impulsüberladungstod, die Warpkern-Eindämmung steht inzwischen bei 117% im Überlastbereich. Endlich können wir unser Eingreifteam auf das feindliche Schiff beamen und den EPS-Angriff mit dem Hauptemitter starten. Das klappt zunächst hervorragend, aber dann sind die Brückenoffizieren damit beschäftigt weiteren Angriffen auszuweichen und ich kämpfe mit der Notkühlung des Warpskerns.

Nach einer gefühlten Ewigkeit bekommen wir eine Erfolgsmeldung von unserem Außenteam und können zurück beamen. Sie haben schwere Verluste erlitten und die Krankenstation ist bis auf den Flur davor überfüllt. Ich bin mit einer Notabschaltung des Warpkerns beschäftigt, sehe aber Leutnant Javert in der Sicherheitsstation sitzen, sie sieht schrecklich aus.

Nachdem sich langsam das Chaos lichtet flicken wir die letzten Reste der operativen Energie und Steuerungssysteme zusammen und starten unseren Rückflug mit Warp 3 zur nächsten Raumbasis. Als ich endlich in meine Kabine komme übermannt mich ein Schwindelanfall und ich falle in Uniform in meine Koje. In meinen Träumen tanzen in Regenbogenfarben emittierende Energiefelder einer Materie-Antimaterie Annihilation um eine grünheutige Tänzerin, deren Fußfesseln von verdampfender Kühlflüssigkeit eines außer Kontrolle geratenen Notkühlsystems um wabert wird. Mein Kopf pulsiert dabei im Takt eines Roten Alarms…..

Alva Tucker